Mann trägt Bart - Bei der Weltmeisterschaft der Bärte ringen 230 Teilnehmer um die Titel
- Auch Kostüm und Auftreten werden bewertet -

 
Im weißen Kricket-Dress stolziert Stephen Parsons auf der Bühne auf und ab. Der Brite tritt bei der Weltmeisterschaft der Bartträger am Samstag in Berlin in der Kategorie Schnurrbärte, Abteilung «englisch» an. Er schwingt den Schläger und setzt ein kantiges Lächeln auf, so dass die weit abstehenden Spitzen seines Schnurrbartes in der Luft herumtanzen.

Was bei dem Wettbewerb zählt, ist der Gesamteindruck - und der ist bei ihm «very british». Dreimal erzählt Parsons die Höchstnote 10 - und ist Weltmeister. «Da hat sich die halbe Stunde Morgenpflege ja gelohnt», sagt der 39-jährige Kaufmann aus Canterbury.

In den Tegeler Seeterrassen wetteifern am Samstag 230 Teilnehmer aus 21 Ländern um die WM-Titel in insgesamt 17 Klassen. «Wer einen ausgefallenen Bart trägt, zeigt, dass er ein bisschen über den Dingen steht», sagt Lutz Giese vom 1. Berliner Bart-Club, dem Ausrichter der Weltmeisterschaft.

Wer gewinnen will, benötigt aber mehr als einen Natur-Rauschebart, einen lupenreinen Schnurrbart oder einen extravaganten Freistil-Kinn- und Backenbart. Die siebenköpfige Jury bewertet auch Kostüme und Auftreten. Entsprechend sind viele Militäruniformen zu sehen. Im Trend liegt der Kaiser-Wilhelm II.-Look. Zudem drängen sich im Saal 15 Musketiere mit ihren typischen Bärten, Degen und Hut. Bartträger aus Bayern präsentieren sich in Lederhosen-Tracht. Das Team aus den USA setzt auf Farmer-Dress, Cowboy-Klamotten oder Harley-Davidson-Outfit.

«Heute Nacht konnte ich vor Aufregung kaum schlafen», erzählt Klaus-Max Pankow. Über seine Oberlippe zieht sich ein hauchdünner Bart, dessen lange Enden spitz zulaufen und senkrecht nach oben stehen. Der 56-Jährige aus Neukölln trägt den «Moustache Dali» - und ähnelt auch sonst dem berühmten spanischen Maler: Sein schwarzes Haar ist halblang und nach hinten gekämmt. Dazu trägt er ein weißes Hemd mit Fliege und einen schwarzen Anzug.

Als er an der Reihe ist, drückt Pankow den Rücken durch und reckt das Kinn hoch, während er mit seinen Händen einen Gehstock balanciert. «Heute morgen habe ich 13 Barthaare ausgezupft, damit alles perfekt sitzt», sagt er. Der Lohn der Mühe: der Weltmeister-Titel. «Mit einem exzentrischen Bart erregt man Aufsehen und genießt das auch ein bisschen», sagt Pankow glücklich und strahlt von einer Bartspitze zur anderen.

Einen Tisch weiter wartet ein Offizier auf seinen Einsatz: Hans-Peter Schlomann tritt an in der Kategorie «kaiserlicher Kinn- und Backenbart». Seit fast 40 Jahren trägt der 56-Jährige aus Rostock Bart. «Ich habe klein angefangen und mich über die Jahre weiterentwickelt», sagt er.

Schlomann deutet auf die Seiten seines Backenbartes, die sich - dank Festiger, Haarspray und Föhn - in zwei großen Wellen bis auf Augenhöhe türmen. Doch die Konkurrenz ist groß. Schlomann landet im Mittelfeld. «Na ja, der achte Platz ist ja auch nicht schlecht.» Ganz verbergen kann er seine Enttäuschung nicht.

«Dabei sein ist doch alles», sagt Guy Thompson. Ihm sprießt ein roter Vollbart das Kinn hinunter. Mit seinen 33 Freunden vom Whiskers Club ist er aus Washington angereist. «Im Alltag trage ich meinen Bart ganz normal», sagt der 59-jährige Trucker. Jetzt hat er mit Haarspray ein paar Kringel hinein gestylt.

Er sei hier, um das deutsche Bier und den Spaß zu genießen, betont Thompson. Er lässt die Dinge auf sich zukommen und ist einer der wenigen, der aus einem ganz profanen Grund seit 42 Jahren überzeugter Bartträger ist: «Ich bin einfach zu faul, mich morgens zu rasieren.»

 














Ergebnisse und Fotos der jeweiligen Sieger